Unser PAMINA-Schulweinberg – ein Projekt des Gymnasiums
in Zusammenarbeit mit dem Weingut Rüdiger Lind aus Rohrbach bei Landau, ökologischer Weinbau

Wie alles anfing

Die Idee einen Schulweinberg zu betreiben, um das Profil des Gymnasiums als Schule im Netzwerk ökologisch orientierter Schulen (NÖKOSCH) zu entwickeln, wurde in einer Sitzung des gymnasialen Ausschusses im Förderverein des PAMINA-Schulzentrums geboren.

Neben den Projekten einer Bachpatenschaft für den Panzergraben am Schulgelände, der Betreuung einer Streuobstwiese in der Nähe des Baches und verschiedener Aktivitäten zum sensiblen Umgang mit der Nutzung von elektrischer Energie bietet das Projekt „Schulweinberg“ die Faszination, viele Facetten des Schulprofils zusammenfügen zu können:
Praktische ökologische Arbeiten, Vermittlung von Heimatverbundenheit durch die Beschäftigung mit Biologie, Geschichte, Kultur und Ökonomie des die Landschaft und die Region der Südpfalz prägenden Weinbaus, Einbindung in das Comenius-Projekt „Von der Rebe zum Wein“ und schließlich die Zusammenarbeit zwischen Schülern, Eltern, Lehrern und außerschulischen Partnern. 

Am 7. Dezember 1999 saßen abends in der Probierstube des ökologischen Weingutes Rüdiger Lind in Rohrbach einige Leute vom Gymnasium im PAMINA-Schulzentrum beisammen und fassten einen ungewöhnlichen Plan: unseren Schülern soll die Möglichkeit geboten werden, sich mit den Arbeiten eines Winzers im Weinberg vertraut zu machen.

Die Pfalz ist seit den Zeiten des römischen Kaisers Probus, der im 3. Jahrhundert das Imperium Romanum regierte, ein Weinbaugebiet. Die pfälzischen Weine sind bei Weingenießern wohlbekannt – nicht nur in Deutschland, sondern sogar im fernen Japan, wohin Herr Lind seine nach ökologischen Grundsätzen angebauten und gepflegten Weine liefert. Auf seine lebendige, fesselnde Art erzählte Herr Lind Elternvertretern, Lehrern und dem Schulleiter des Gymnasiums, Herrn Lothar Bade, wie er als Pionier auf dem Probierfeld „Ökologischer Weinbau“ angefangen hatte, lange bevor die Richtlinien für diese naturbewahrende Methode des Weinbaus festgelegt wurden. Dass andere Winzer verwundert die Köpfe schüttelten, weil in seinen Weinbergen auch Korn zu wachsen begann, berichtete Herr Lind leicht schmunzelnd - und auch wir Schulleute staunten darüber. Des Rätsels Lösung erfuhren wir später bei unserer Arbeit im „PAMINA-Schulweinberg“.

Die Idee der Arbeitsgemeinschaft „PAMINA-Schulweinberg“ nahm konkrete Formen an. Aus einem pädagogischen Traum wurde Wirklichkeit. Die Umsetzung in den schulischen Alltag bereitete keine Schwierigkeiten: unsere Elternvertreterinnen, Frau Kurz und Frau Hetzler, boten sich an, bei jedem Arbeitseinsatz den Schülern und Schülerinnen mittags ein Essen zu servieren, damit sie nach dem langen Schulvormittag gestärkt in den Weinberg ziehen können. Die Lehrer erklärten sich bereit, für den Transport der Schüler und Schülerinnen nach Rohrbach und später zurück zu ihren einzelnen Wohnorten zu sorgen. So konnten wir alle zufrieden das Glas, gefüllt mit Wein aus dem ökologischen Weingut Lind, erheben und auf die neue Zusammenarbeit zwischen dem PAMINA-Schulzentrum und einem Betrieb aus dem Einzugsgebiet der Schule anstoßen. 
 

Chronologischer Ablauf der Arbeiten im Weinberg

Erster Arbeitseinsatz: Herausziehen des losen Rebholzes und Putzen der Fruchtruten

Freitag, 10. März 2000

Die Schülerin Ann-Kathrin Seit schreibt:
Mittags gleich nach der Schule versammelten wir uns auf dem Schulparkplatz und fuhren zusammen mit einigen Lehrerinnen und Lehrern in deren Autos zur Familie unserer Mitschülerin Sarah K. in Rohrbach.
Nach dem anstrengenden Vormittag in der Schule und vor der Arbeit im Weinberg stärkten wir uns bei einem genüßlichen Mahl, das Frau Kurz und Frau Hetzler, auch Mutter eines Mitschülers, für uns vorbereitet hatten. Mit großem Staunen sahen wir die langen, mit weißen Tüchern und vielen Gedecken zum Essen einladenden Tischreihen im Haus der Familie Kurz. Heiß aus dem Backofen wurden uns Nudelvariationen serviert, dazu gab es grünen Salat, Fruchtsaft und Limonade. Dies gemeinsame Essen war ein wundervoller Auftakt für unsere AG!

Danach führte uns Herrn Rüdiger Lind durch die Weinberge von Rohrbach in Richtung nach Insheim, bis wir auf der Höhe neben den zwei Nussbäumen zu einem seiner Wingerte kamen, von dem er uns vier lange Reihen als unseren Schulweinberg reserviert hat. In diesen Reihen stehen Weinstöcke der Traubensorte SILVANER.

Jetzt ging es an die Arbeit: 
Wir bekamen geeignete Scheren, mit denen wir die Reben beschnitten; Arbeitshandschuhe hatten wir alle mitgebracht. Da die Vorarbeit schon geleistet war, entfernten wir nur noch die abgeschnittenen Äste und ließen an jedem Stock zwei Ranken mit jeweils acht Augen übrig. Augen nennt man diejenigen Knospen, aus denen bald die jungen Triebe sprießen. Auch legten wir die beiden Paare von Fangdrähten nach unten beziehungsweise nach oben, damit die Triebe sich zunächst ungehindert entwickeln können.
Die Arbeit dauerte ungefähr zwei Stunden, in denen alle Helfer tatkräftig anpackten und trotzdem viel Spaß dabei hatten. Herr Lind hatte uns viel erklärt zur Geschichte des Weinbaus in der Pfalz und über den Sinn und Zweck der Arbeiten, die wir gerade durchführten. Wir hörten ihm aufmerksam zu, weil er besonders spannend erzählen kann und alles gut verständlich macht.

Sehr ungewöhnlich ist, dass in jeder zweiten Reihe zwischen unseren Weinstöcken Korn wächst. Dies hat Herr Lind nicht etwa gesät, um im Weinberg auch noch Getreide zu ernten! Nein, die Halme werden eines Tages untergepflügt und dann beim Verrotten zur Verbesserung des Angebots an Nährstoffen im Boden beitragen.

Müde, aber glücklich über unser vollbrachtes Werk liefen wir wieder zurück zu den in Rohrbach geparkten Autos und wurden von unseren Lehrern nach Hause gefahren und ins Wochenende entlassen.

Hinweis-Schilder an jeder Reben-Reihe, entworfen von unserem Lehrer Herrn Stockerl, wurden wenige Tage später angebracht und machen seitdem jeden Spaziergänger aufmerksam auf die Bewirtschaftung durch die AG Ökoweinberg des Gymnasiums im PAMINA-Schulzentrum.

Zweiter Arbeitseinsatz: Anbinden der Fruchtruten

Freitag, 5. Mai 2000

Wie mittlerweile schon gewohnt, trafen wir uns wieder auf dem Parkplatz unserer Schule und fuhren mit unseren Lehrern nach Rohrbach zur Familie Kurz. Nach einem Picknick im Schulweinberg begannen wir mit der Arbeit, nämlich dem Befestigen der Ruten mittels Clips am gespannten Draht.
Der Weizen in den Gängen zwischen den Rebstöcken war schon deutlich höher gewachsen.
 

Die Biologie-Lehrerin Frau Hügel befasst sich zusammen mit einigen interessierten Schüle-rinnen mit dem Thema „Weinbau“.
 

Dritter Arbeitseinsatz: Abknipsen der Seitentriebe am Weinstock und Hochlegen des ersten Fangdrahtpaares

Mittwoch, 7. Juni 2000

Jetzt musste das erste Paar der Fangdrähte hochgelegt werden, damit die Triebe Halt bekommen und bei einem stärkeren Wind nicht abbrechen können.
Herr Lind erläuterte uns Nützlinge und Schädlinge, die sich im Laub des Weinstocks ansiedeln. Mit einer Lupe wurden diese Tierchen beäugt. In unserem Weinberg fanden wir ausschließlich Nützlinge.
Das Korn in den Gängen hatte Herr Lind gemäht, kleingeschnitten und in den Boden einge-arbeitet.
 

Vierter Arbeitseinsatz: Einkürzen der Fruchtruten und Herunterlegen des zweiten Fangdrahtpaares

Dieser Arbeitseinsatz wurde vom Weingut Lind ohne uns erledigt, weil die Schule wegen des Beginns der Sommerferien keinen Termin mehr festlegen konnte.
 

Fünfter Arbeitseinsatz: Begutachten des Reifegrades der Trauben

Freitag, 25. August 2000

Die Schülerin Fanny Müller schreibt:
Als alle oben am Weinberg waren, wurde zuerst gegessen. Danach erklärte uns Herr Lind  einiges über Pilze, die am Weinstock auftreten können:

Als Folge eines regenreichen Monats Juli können zwei Pilzarten das Laub des Weinstocks befallen:
1. Echter Mehltau (Oidium): Er ist vorhanden, wenn das Blatt des Weinstocks auf der Oberseite und auf der Unterseite Pilzrasen aufweist.
2. Falscher Mehltau (Pernospora): Der Pilzrasen befindet sich nur auf der Blattunterseite.
Beide Pilzarten zerstören das Chlorophyll im Blatt. Sie können aber auch die Trauben befallen.

Ein anderer Pilz (Botrytis cineria) wirkt sich bei Befall im frühen Stadium des Wachstums der Rebstöcke negativ aus: schlechte Entwicklung der Reben, es wachsen keine grünen Triebe oder die entstandenen Trauben bleiben klein wie Erbsen. Man nennt den Pilz in diesem Stadium Rohfäule beziehungsweise Sauerfäulnis.
Tritt der Pilz dagegen erst im Spätstadium der Traubenreife, bei voller Reife auf, hat er positive Auswirkungen. Man nennt ihn jetzt Edelfäule.

Die Reife der Trauben beginnt ab dem Zeitpunkt, bei welchem die Kurve des Zuckeranstiegs in den Trauben und die Kurve der Abnahme der Säure einen Schnittpunkt haben.  Mit dem Hand-Zucker-Refraktometer kann man über die unterschiedlichen Grad der Lichtbrechung des Traubensaftes den Zuckergehalt bestimmen. Er wird in Öchsle-Graden gemessen.

Unsere Traubensorte Silvaner sollte mindestens 43° Öchsle aufweisen. Wir stellten fest, dass unsere Trauben schon so weit sind. Wegen des anhaltend guten Wetters beschlossen wir, mit der Lese noch zu warten. Jetzt Ende August war gerade die Lese der Traubensorte Ortega begonnen worden, welche die früheste Sorte ist. Es folgen dann die Lesezeiten der Traubensorten Schwarzriesling und Müller-Thurgau. Erst darauf folgt der Silvaner. Der Gewürztraminer ist eine sehr späte Traubensorte. 
 

Der Pamina-Schulweinberg innerhalb der Europäischen Jugendwoche an unserer Schule

Dienstag, 19. September 2000

Bei der Namensgebungsfeier unseres Schulzentrums präsentierten Eltern und Schüler Weinstände, bei denen auch Weine des ökologischen Weingutes Lind vertreten waren. Einige Schülerinnen der Klasse G8c hatten einen römischen Weinstand aufgebaut und boten, als Römerinnen angezogen, Trauben und Weine von Herrn Lind an. 

Donnerstag, 21. September 2000

In dieser Woche waren unsere Partnerschulen aus Dijon, Rom, Budapest, Tschenstochau und Erfurt bei uns zu Gast. Weil wir mit ihnen das Comenius-Projekt „Von der Rebe zum Wein“ durchgeführt  hatten, luden wir Interessierte zu einem Besuch unseres Pamina-Schulweinbergs ein. Wir Lehrer ließen uns anschließend in gemütlicher Runde im Hof des Weingutes Lind zu einer Weinprobe nieder, bei der uns Herr Lind seine Köstlichkeiten kredenzte.
Besondere Aufmerksamkeit bei Liebhabern der Kochkunst fanden außerdem die Flaschen Traubenkernöl, die wir im Verkaufsraum entdeckten. Schließlich gab es auch Gläser mit Weingelee, einer Überraschung in der Kategorie der süßen Brotaufstriche, zu kaufen. 
 

Sechster Arbeitseinsatz: Weinlese

Freitag, 29. September 2000

Der schönste Einsatz des Jahres fand bei traumhaftem Sommerwetter statt: die Früchte der Arbeit im Weinberg wurden gelesen. Wir waren eine große Gruppe von Erntehelfern und zogen mit Halli-Hallo in den Weinberg.  „Traube, Traube“ rief es von allen Seiten auf echt Pfäl-zisch und Herr Lind leerte die vollen Traubeneimer in seinen Erntewagen. Die Arbeit ging – im Nachhinein gesehen – trotzdem viel zu langsam voran. Jedenfalls begannen unsere Trauben bald zu gären, so dass aus der Absicht, sie teilweise zu Saft zu pressen, nichts wurde. Also gibt es nur Wein im Jahrgang 2000!

Eine besondere Überraschung bereitete uns Frau Wambsganß, eine der Lehrerinnen, die mit einem zünftig gefüllten Winzerkorb – nein, natürlich mehreren Körben – für ein wunderbares Winzeressen im Freien unter den beiden Nussbäumen sorgte. Und Herr Lind brachte für die fleißigen Arbeiter im Weinberg als Geschenk für jeden von uns ein Schoppenglas, das mit einer Zeichnung des Künstlers Armin Hott dekoriert war.

Ein herzlicher Dank an alle!
 

Wie geht es weiter??
 


Eine Flasche unseres PAMINA-Schulweins befindet sich im Kühlschrank des Chemiesaals und wird zur Zeit untersucht.
Die Klasse G8c hat mit ihrer Chemie-Lehrerin Frau Tiel-Remme im Unterricht die Destillation am Beispiel des Schulweins durchgenommen. Die Schülerinnen Nadine Dietherich und Va-nessa Tiator schreiben:

Destillieren = Aus einer Lösung zweier Flüssigkeiten läßt sich die Flüssigkeit mit der niedri-geren Siedetemperatur durch Destillation abtrennen. Die Siedetemperaturen der beiden Flüssigkeiten müssen sich deutlich unterscheiden.

Trennprinzip: Wenn die Lösung siedet, verdampft zuerst der Stoff mit der niedrigeren Siede-temperatur. Er kondensiert im Kühler und wird in der Vorlage aufgefangen. Enthält die Lösung zwei Flüssigkeiten mit ähnlichen Siedetemperaturen, so ist auch der Dampf ein Ge-misch aus beiden Stoffen. Allerdings ist der Anteil des Stoffes mit der niedrigeren Siedetemperatur im Dampf größer als in der Lösung. Bricht man die Destillation nach einiger Zeit ab, so ist der leichter verdampfbare Stoff im Destillat angereichert. 

Beispiel: Gewinnung von Branntwein aus Wein
Wir haben das oben erläuterte Trennprinzip durchgeführt. Die ganze Klasse hat aufmerksam zugeschaut, wie unsere Lehrerin den Versuch durchgeführt hat. Besonders lustig fanden es alle, als der reine Alkohol im Becherglas war und gebrannt hat.

 Als nächster Schritt wird in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Bildende Kunst unter Leitung von Herrn Stockerl ein Etikett entworfen, welches den Erstlingswein des Gymnasiums Herxheim charakterisieren und die angemessene Vermarktung ermöglichen soll.
      
WEINVERKAUF
  
Unser Schulwein ist zu einem Preis von 5 EURO bei Frau Wambsganß erhältlich.
  
Und im Jahr 2002 geht unsere Arbeit natürlich weiter!

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