Pädagogische Leitlinien
für die Arbeit am Gymnasium
(aktualisiert am 17.09.2001)

Die pädagogischen Leitlinien für die Arbeit des Gymnasiums Herxheim wurden in mehreren Dienstbesprechungen und Gesamtkonferenzen diskutiert zu Beginn der Schuljahre 1997/98 und 1998/99 von der Gesamtkonferenz einstimmig beschlossen, im Juni 2001 ergänzt. Sie bilden damit die verbindliche Grundlage pädagogischen Handelns am Gymnasium Herxheim. Veränderungen, Erweiterungen, Ergänzungen oder Umformulierungen sind nur mit der Zustimmung der Gesamtkonferenz möglich.

Die Hauptelemente des pädagogischen Profils am Gymnasium Herxheim sind 
 

1. Unterrichts- und Lernkultur

· methodisch und inhaltlich hohes Niveau
· hohes Maß an Empathie
· Anregung zum interdisziplinären Denken
· Schüler- und zielorientiertes Vorgehen
· transparente Ziele, faire, offengelegte und gerechte Leistungsmessung, begründete und nachvollziehbare Bewertungen
· kommunikative Konfliktregelungen
· souveräner Umgang mit Machtmechanismen
· Lernkultur, die die Selbstverantwortung stärkt, Toleranz, soziales und demo-kratisches Verhalten entwickelt und fördert.
· Kultur der Anstrengung

2. Identifikationskultur (corporate identity)

Gute Schulen zeichnen sich dadurch aus, dass
· gemeinsame Zielvereinbarungen zwischen den Betroffenen formuliert sind,
· ein hohes Maß an Identifikation mit dem pädagogischen Programm der Schule vorliegt,
· ein gemeinsames pädagogisches Ethos Grundlage des erzieherischen Handelns ist.

3. Kommunikationskultur

Grundlagen eines harmonischen, kreativen und pädagogisch effizienten Betriebsklimas sind
· Offenheit, Echtheit, Loyalität und Solidarität untereinander,
· Einhaltung ethischer Prinzipien der Kommunikation
· Direkte statt indirekte Kommunikation
· symmetrische Kommunikation
· Vermeidung von Verletzungen
· Pflege einer anspruchsvollen Sprachkultur

4. Innovationskultur

Ein konstruktives, offenes, kreatives, unterstützendes und mutmachendes Arbeitsklima ermöglicht jeder(m) die Entfaltung ihrer(seiner) persönlichen Stärken, das Eingeständnis von Schwächen und Fehlern und fordert auf zur aktiven Mitgestaltung. Alle Kolleginnen und Kollegen die Eltern und die Schülerinnen und Schüler können und sollten pädagogische Spuren hinterlassen beim Bau unseres Hauses des Lernens.

5. Kooperationskultur

Der Umgang zwischen Lehrerinnen, Lehrern, Schülerinnen, Schülern und den Eltern ist geprägt von gegenseitigem Respekt, Höflichkeit und Achtung vor der individuellen Per-sönlichkeit des anderen.
Das Eingebundensein in die Kooperative Gesamtschule Herxheim verlangt Sensibilität, Rücksichtnahme, Geduld und Kompromissfähigkeit, aber auch Konfliktfähigkeit. Kooperation darf aber kein Instrument zur Verhinderung eigenständiger Profilbildung sein.

6. Leitungskultur

Das Gymnasium an der Kooperativen Gesamtschule wird nach den Prinzipien einer pädagogischen Schulleitung geleitet. Partizipation an Entscheidungen, Transparenz der Ergebnisfindung, demokratische Ziel- und Prozessvereinbarungen, symmetrischer Informationsfluss und Gleichbehandlung sind Grundlagen dieses managements by communication. 
Der Schulleiter führt das Gymnasium Herxheim nach seinem persönlichen Wahlspruch :  Gelassenheit den Aufgaben gegenüber, Optimismus bei Problemen und Bescheidenheit bei der Interpretation der eigenen Rolle

7. Verantwortungskultur

Das Gymnasium Herxheim vermittelt und praktiziert das Prinzip Verantwortung. Fernsten- und Zukunftsethik wecken das Bewusstsein für ästhetische-ökologische-politische-soziale Verantwortung. Das Prinzip „sustainable development“ – nachhaltige Entwicklung, die Suche nach Lösungen, die ökologisches Gleichgewicht, ökonomische Sicherheit und soziale Gerechtigkeit zusammenführen ist ein Leitgedanke der pädagogischen Arbeit am Gymnasium Herxheim. Eine zentrales Ziel ist Gerechtigkeit: Alle Menschen in Gegenwart und Zukunft sollen gleiche Lebenschancen, gleiche Lebens- und Umweltqualität und gleiche Rechte erhalten. Das Gymnasium Herxheim ist organisiert nach dem Modell einer gerechten Gemeinschaft (Kohlberg). Die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern werden in die Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse einbezogen.

8. Festkultur

Das Schuljahr muss durch ritualisierte Feste und Feiern in überschaubare Abschnitte mit positivem Zielpunkt gegliedert und emotional ausgewogen begleitet werden.
Kognitive Anforderungen müssen durch soziale Erlebnisse und niveauvolle Feiern aus-balanciert werden.

9. Organisationskultur

Organisatorische Strukturen müssen so gestaltet sein, dass der Alltagsbetrieb lautlos, synchron, effizient und routiniert läuft. Selbstverständlichkeiten dürfen keine Arbeit ver-ursachen. Die systemimmanenten Konfliktstellen in einer Kooperativen Gesamtschule erfordern ein hohes Maß an Gespür für organisatorische Verbesserungen.

10. Leistungskultur

Ergebnis der pädagogischen Arbeit am Gymnasium Herxheim soll die Maximierung individueller Leistungen sein zur Heranbildung von Leistungs- und Verantwortungseliten.

11. Berufsethos

Zu Beginn des Schuljahres1997/98 hat die Gesamtkonferenz des Gymnasiums Herxheim beschlossen, den sokratischen Eid, den Berufseid für Pädagogen, zum Maßstab ihres täglichen Handelns zu machen. 
Diesen Eid haben die Schülerinnen und Schüler erwidert durch den "Eid des Platon", die Eltern durch den Elterneid

12. Jahresmotto

Ein pädagogisches Leitmotiv wird das unterrichtliche Geschehen des Schuljahres 1999/2000 begleiten und zu interdisziplinärem Dialog anregen.
Im Schuljahr1999/2000 war unser Jahresmotto „Für ein besseres Miteinander –gegen Gewalt und Rassismus“, 2000/2001 „Gemeinsam wachsen“ und im Schuljahr 2001/2002 lautet das Jahresmotto:
  
"We cannot command the wind – but we can set the sails”
  
Die fachbezogene, projektorientierte und interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Jahresmotto soll zur Konkretisierung unserer Schwerpunkte im pädagogischen Profil führen. 
Das Jahr 2000 wurde von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr für eine Kultur des Friedens“ erklärt. Das Gymnasium Herxheim arbeitet an dieser Kultur des Friedens. Sie ist geprägt von Werten, Einstellungen und Verhaltensformen, die Respekt für das Leben, für 
die Menschenrechte, die Würde des Menschen, durch die Ablehnung von Gewalt in all ihren Formen und durch Engagement für Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz und faire Kommunikation entwickeln und vertiefen.

13. Ausrichtung des Gymnasiums Herxheim

Das Gymnasium Herxheim arbeitet als „Schule gegen Gewalt und Rassismus“
Das Gymnasium Herxheim ist Mitglied im Netzwerk ökologischer Schulen.
Das Gymnasium Herxheim arbeitet als UNESCO-Projektschule.
Das Gymnasium Herxheim ist Mitglied im „Netzwerk innovativer Schulen“ in Deutschland
Die Gesamtkonferenz, der Schulelternbeirat und die SV haben einstimmig beschlossen einen sportlichen und einen musischen Schwerpunkt im Profil des Gymnasiums Herxheim zu entwickeln.

14. Das Gymnasium in Herxheim und Europa

Das Gymnasium Herxheim macht durch den Ausbau und die Pflege seiner europäischen Partnerschaften die Schülerinnen und Schüler mit dem Europagedanken vertraut und vermittelt Kompetenzen zur Gestaltung der europäischen Zukunft. Die Beteiligung an europäischen Projekten und die aktive Ausgestaltung des Namens 'PAMINA-Schulzentrum' bilden thematische und methodische Schwerpunkte bei der Konkretisierung dieser Ziele. Partnerschulen in Italien (Rom), Frankreich (Dijon), England (Ilfracombe), Polen (Czenstochau), Ungarn (Budapest) und Tschechien (Stasniz) sind wertvolle Lernorte der europäischen Geschichte und motivieren zur Auseinandersetzung mit Fragestellungen der europäischen Einigung. Die intensiven Beziehungen seit 1989 zur Kooperativen Gesamtschule in Erfurt ermöglichen persönliche Erfahrungen mit den Anforderungen, Notwendigkeiten, Chancen, aber auch Probleme des Zusammenwachsens unseres Vaterlandes.

15. Demokratisierung – Zivilcourage 

Mut sich in Abläufe und Meinungsbildungsprozesse sensibel, aber konsequent einzumischen, das Praktizieren von Zivilcourage gehören zu den wesentlichen Elementen der Demokratieerziehung. Deshalb haben die zuständigen Gremien des Gymnasiums Herxheim beschlossen am Ende jeden Schuljahres durch eine aus Schülerinnen/Schüler, Eltern, Kolleginnen/Kollegen und externen Beobachtern unserer Schule zusammengesetzte Jury eine Persönlichkeit des schulischen Lebens, die Zivilcourage gezeigt hat, zur Auszeichnung vorzuschlagen. Ein Ausschreibungstext für diese Auszeichnung erläutert die Kriterien.
 
 

Die Pädagogischen Leitlinien wurden in der vorliegenden Fassung in der Gesamtkonferenz vom 30.11.1999 einstimmig beschlossen (vgl. Konferenzprotokoll), ergänzt durch Beschluss der Gesamtkonferenz am Studientag vom 13.06.2001

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© 17.09.2001, Markus Schnurr