Erfahrungsbericht
von Frau Andrea Will
"Jugendliche gegen rechte Gewalt"
Ausbildung zum Streitschlichter/in
Europa-Haus Marienberg
26. - 30. November 2001
Insgesamt 29 Schülerinnen und Schüler
nahmen am Seminar "Jugendliche gegen rechte Gewalt" teil. Davon kamen 24
vom Pamina Schulzentrum Herxheim und fünf Schüler aus Erfurt.
Um den Gedanken der Kooperation zu fördern, nahmen an dieser Fahrt
Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Realschule sowie des
Gymnasiums teil.
Begleitet wurden die Schüler von zwei Lehrkräften
aus Herxheim und einer Lehrerin aus Erfurt.
Während die Aufgabe der Lehrkräfte
sich zunächst primär darauf konzentrierte bildungs- und sozialstatusbedingte
Vorurteile innerhalb der heterogenen Gruppe abzubauen, wurden die ersten
drei Tage von Herrn Erwin Germscheid, einem Referenten des Europa Hauses
Marienberg, thematisch gestaltet.
Die Klärung von Begrifflichkeiten (Rechtsextremismus/Rechtsradikalismus
- Was ist überhaupt rechts?) und die Frage nach der Entstehung von
antidemokratischen (rechten oder linken) Haltungen standen im Vordergrund
des ersten Arbeitstages. Dabei zeigte sich, dass vor allem die jüngeren
Schüler ein Wissensdefizit hatten. Insbesondere Jugendliche der Hauptschule
berichteten, bedingt durch den Freundeskreis, von Kontakten zu Sympathisanten
der rechten Szene und wünschten sich auch Ratschläge wie sie
mit diesen über ihre Denkweise sprechen könnten. Rechte Internetseiten
waren allen Jugendlichen bekannt und von manchen auch schon angewählt
worden.
Interaktionsspiele zum Thema Gewalt beendeten
den ersten und eröffneten den zweiten Arbeitstag; bereits Gelerntes
wurde vertieft; an Bildmaterial wurde veranschaulicht, welche Symbole der
rechten Szene verboten sind und mit welch geschickten Mitteln diese Verbote
häufig umgangen werden. Auch hier zeigte sich, dass einige Schüler
zwar manche der Zeichen erkannten, sie jedoch bisher nicht bewusst mit
Rechtsextremismus in Verbindung gebracht hatten.
Den Nachmittag verbrachten die Schülerinnen
und Schüler in Bonn. Eine Führung im Haus der Geschichte, bei
der die wichtigsten Exponate erklärt wurden, illustrierte anschaulich
die Entstehung des heutigen demokratischen Deutschland und führte
den Schülern auch noch einmal die Gräueltaten eines faschistischen,
nach dem Führerprinzip organisierten Staates vor Augen.
„Was passiert mit unseren an freiheitlich-demokratischen
Grundprinzipien orientierten Wertvorstellungen in einem totalitären
oder faschistischen System? – oder: und plötzlich ist alles nicht
mehr, wie es war.“ Ein Planspiel, das die Werte auf den Kopf stellt. Damit
begann der dritte Arbeitstag. Erkenntnis: Man ist zwar lenkbar, aber nicht
um jeden Preis.
Ebenfalls spielerisch erfuhren die Teilnehmer,
was eigentlich Gewalt ist und wie sie selbst mit Situationen, in denen
ihnen Gewalt (hier eher als physische Gewalt definiert) begegnet, umgehen
können.
Dass Vorurteile zwar häufig Anlass zu Konflikten
und auch gewalttätigen Auseinandersetzungen sind, ist zwar hinreichend
bekannt, jedoch ihr Entstehen oft diffus. Wie entstehen sie also - insbesondere
gegenüber Fremden - und wie können wir ihnen begegnen? Dies war
Thema des Nachmittags des dritten und letzten Arbeitstages mit Herrn Germscheid.
Der vierte Arbeitstag führte das Thema Umgang
mit Gewalt fort, indem es nun um konkrete Gewalt- und Konfliktsituationen
im Umfeld Schule ging. Die Schüler/innen sollten als Streitschlichter/innen
ausgebildet werden. Zunächst wurden Aufgaben und Ziele der Streitschlichtung
in der Schule sowie die Rolle des Schlichters/der Schlichterin geklärt.
Übungen zur Un- und Allparteilichkeit des
Schlichtes schlossen sich an. Ebenfalls galt es, rhetorische Fähigkeiten
zu trainieren (Technik des Spiegelns).
Wie entstehen Alltagskonflikte und welche Folgen
hat Bestrafung? Im schulischen Bereich wird zumeist durch den Lehrer Mithilfe
des gängigen Maßnahmenkatalogs gestraft. Ohnmacht auf Seiten
der Schüler führt häufig zu weiteren Konflikten. Übungen
zur Teambildung beendeten den ersten Trainingsblock.
Am Nachmittag wurden erneut Übungen zur
Selbststärkung und zur Teambildung durchgeführt, bevor sich ein
ausgiebiges Kommunikationstraining anschloss. Insbesondere eher schwächere
Schüler waren für diesen Teil dankbar, da sie häufig Formulierungsprobleme
haben.
Danach wurde der Leitfaden zur Streitschlichtung
besprochen und anhand eines Films ein Schlichtungsgespräch gezeigt.
Der Tag endete mit einer Reflexion über das bereits Erlernte.
Am letzten Arbeitstag stand nur noch der Vormittag
zur Verfügung. Anhand von Rollenspielen trainierten die künftigen
Streitschlichter/innen ihre Aufgabe. Das klappte nicht immer auf Anhieb,
dennoch meisterten die Schülerinnen und Schüler diese Aufgabe
und hatten auch Spaß dabei.
Fazit: Die Schüler haben aus dieser Woche
viel theoretisches Wissen mitgenommen, aber sie haben auf jeden Fall auch
ihre soziale Handlungskompetenz erweitert, unabhängig davon, ob sie
je in einem Schlichtungsprozess tätig werden. Abgrenzungen und Vorurteile
wurden überwunden, um gemeinsam für und an einem Thema zu arbeiten. |